Nachrichten aus den Produktionsländern - Nachricht aus Myanmar
© Somo | Martje Theuws
Fünf Jahre nach dem Putsch: Frauen im Widerstand
Am 1. Februar 2026 jährte sich der Militärputsch in Myanmar zum fünften Mal. Viele Menschen, die für Demokratie und eine bessere Zukunft kämpfen, leben heute im Dschungel oder organisieren sich im Untergrund. Oft wird dabei übersehen, dass Arbeiterinnen in den Grenzregionen schon seit Jahrzehnten Widerstand leisten – meist unsichtbar und ohne Anerkennung. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig, ausdauernd und mutig der Kampf für Freiheit in Myanmar ist.
“Für mich ist die Revolution in Myanmar, wie ein blindes Pferd: Eine kraftvolle Bewegung, aber ohne klare Richtung.”, sagt Ohnmar Khin, Mitarbeiterin bei FEMNET. Sie lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Ihre Familie und viele ihrer Freund*innen leben aber weiterhin in Myanmar.
Ende Januar ging in Myanmar die dritte Phase der Parlamentswahlen zu Ende, die im Dezember begonnen hatten. Von freien und demokratischen Wahlen konnte jedoch keine Rede sein: Es handelte sich um eine klar erkennbare Scheinabstimmung, ein politisches Schauspiel, das vor allem der Legitimierung der herrschenden Militärjunta diente. „Die Parteien, die kandidiert haben, arbeiten Hand in Hand mit dem Militär“, berichtet Khin. Die wichtigste Oppositionskraft, die National League for Democracy (NLD), wurde gar nicht erst zur Wahl zugelassen. Internationale Beobachter*innen und regionale Organisationen wie ASEAN erkannten den Prozess daher nicht an und stuften ihn übereinstimmend als undemokratisch ein.
Trotzdem ist der Widerstand lebendig, auch im Ausland. Die burmesische Community in Deutschland, beispielsweise in Köln/Bonn, organisiert monatlich Fundraising-Aktionen zur Unterstützung der Demokratiebewegung, so Khin. Dabei seien es vor allem die Frauen, die diese Arbeit leisten. Frauen, die eine doppelte Belastung stemmen: Lohnarbeit und unbezahlte Sorgearbeit. Viele arbeiten Vollzeit in Krankenhäusern oder in der Gastronomie, versorgen ihre Familien und engagieren sich dennoch politisch. Einige leben seit den 1980er Jahren in Deutschland und besitzen längst die deutsche Staatsbürgerschaft. Dennoch kämpfen sie weiter aus Solidarität mit den Arbeiterinnen in Myanmar und im Bewusstsein, dass ihre Kämpfe miteinander verbunden sind. “Ich bin unglaublich stolz auf diese Frauen. Sie engagieren sich, obwohl das, was in Myanmar geschieht, ihr eigenes Leben hier nicht unmittelbar betrifft.”, so Khin.
Währenddessen laufen die Textilfabriken in Myanmar weiter, und die Arbeitsbedingungen sind katastrophal: Aufseher bedrohen die Arbeiterinnen. Wer sich organisiert oder Missstände anspricht, riskiert viel. Die Regierung und ein ausbeuterisches Wirtschaftssystem unterdrücken systematisch ihre Organisierung. Wenn Arbeiterinnen versuchen, sich zu organisieren, melden die Fabrikbesitzer sie bei der Polizei. Oft werden sie am nächsten Tag unter fadenscheinigen Vorwänden verhaftet. Die meisten Gewerkschaften mussten nach dem Putsch schließen, zahlreiche Aktivistinnen flohen aus dem Land. Trotzdem leisten Arbeiterinnen weiterhin Widerstand und unterstützen die Revolution, oft unter hohem persönlichen Risiko.
Die Kleidung, die sie produzieren, landet im globalen Norden, während die Profite internationalen Unternehmen und der Militärjunta zufließen. Die Ausbeutung burmesischer Arbeiterinnen ist Teil eines globalen Wirtschaftssystems, das Frauen weltweit in prekäre Arbeit drängt und ihre Reproduktionsarbeit unsichtbar macht, so Khin
FEMNET e.V. unterstützt seit dem Putsch 2021 burmesische Arbeiterinnen, die untertauchen müssen oder aus dem Land fliehen. “Diese Arbeit ist keine Wohltätigkeit, sondern Ausdruck internationaler Solidarität. Der Kampf der Frauen in Myanmar hängt untrennbar mit dem Kampf von Frauen weltweit zusammen. Ihre Befreiung ist mit unserer verbunden.” sagt Khin.
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